Wer war Johannes Bugenhagen?
Auch ein unerschütterlicher Reformator wie Martin Luther braucht manchmal Menschen, denen er sein Herz ausschütten kann und die sein volles Vertrauen besitzen.

Der 1485 in Wollin geborene Johannes Bugenhagen erfüllt diese Rolle in ganz besonderer Weise - er ist Luthers Beichtvater und Pastor. Nach seinem Studium an der Artisten-Fakultät in Greifswald wird Bugenhagen bereits im Alter von 19 Jahren Rektor der Lateinschule in Treptow an der Rega, mit 32 Jahren zusätzlich Lektor für Patristik und Bibel am Kloster Belbuck. Nachdem er sich theologisch bis dahin autodidaktisch gebildet hat, entschließt er sich 1521 im Alter von 36 Jahren, angelockt durch Luthers Schriften, das Theologie-Studium an der Universität Wittenberg aufzunehmen. Schon in seinem ersten Semester wird er dort mit Vorlesungen zur Psalmeninterpretation betraut und gehört bald zum festen Kreis der Reformatoren. Luther setzt seine Berufung zum Wittenberger Stadtpfarrer durch.
Amtliche und persönliche Kontakte sind aber im alltäglichen Umgang miteinander kaum zu trennen. Bugenhagen ist für Luther Freund, Mitstreiter und Führender gleichzeitig. Sie stellen sich zusammen Diskussionen in der Öffentlichkeit, arbeiten gemeinsam an der Übersetzung des Neuen Testaments. Als die Wittenberger Universität 1527 wegen der Pest nach Jena verlegt werden muss, bilden die Familien von Luther und Bugenhagen eine Lebensgemeinschaft.
Johannes Bugenhagen übernimmt ab 1528 schwerpunktmäßig reformatorische Aufgaben außerhalb Kursachsens. Sein Lebenswerk ist die kirchenordnende Tätigkeit in Schleswig und Holstein sowie in Dänemark, wo er die Kirche und die Universität Kopenhagen reformiert. Außerdem hat er großen Einfluss auf die Reformation im Ostseeraum. Trotzdem bleibt er in ständigem Gedankenaustausch mit Luther und Melanchthon; außerdem bleibt er der Wittenberger Universität verbunden, dessen Theologischer Fakultät Bugenhagen seit 1533 angehört.
1521 kommt auch ein weiterer Mitstreiter Luthers nach Wittenberg. Justus Jonas, 1493 in Nordhausen geboren, ist zunächst Humanist und hat als Rektor der Universität Erfurt im Jahr 1519 persönliche Kontakte zu Erasmus von Rotterdam. Zwei Jahre später kommt der Professor für kanonisches Recht nach Wittenberg und schließt sich der Reformation an. In der Zeit der Unruhen 1521/22 gehört Jonas zum Kreis der Reformatoren um Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, der in Wittenberg Kirchenreformen einleitet, denen sich Luther widersetzt.
Während Karlstadt Wittenberg verlässt, nach Straßburg und Basel geht und im Abendmahlsstreit gegen Luther agiert, bleibt Justus Jonas in der Stadt. Er wird einer der getreuesten Mitarbeiter und Gefolgsleute Luthers und Melanchthons; auch in der Auseinandersetzung mit humanistischen Ideen. Erasmus veröffentlicht 1524 gegen Luther die Schrift "De libero arbitrio" (Über den freien Willen), die Ende 1525 erscheinende Gegenschrift Luthers "De seno arbitrio" (Über den knechtischen Willen) wird ausgerechnet von dem einst begeisterten Erasmianer Justus Jonas ins Deutsche übersetzt. Er bleibt eine der zentralen Figuren im Umfeld Luthers; nimmt am Marburger Religionsgespräch teil, reist mit Friedrich dem Weisen und Melanchthon 1530 zum Augsburger Reichstag und geht schließlich 1542 als Superintendent nach Halle.
Jonas begleitet Luther auf seiner letzten Reise und ist an der Seite des sterbenden Reformators. Es ist kein Zufall, dass es die beiden engen Freunde Luthers sind, die nach dessen Tod das Wort ergreifen. Bugenhagen, der Luther und Katharina von Bora traute, hält 1546 die Leichenpredigt in der Schlosskirche von Wittenberg, Justus Jonas die Trauerrede in Eisleben.