Kategorie: Ohne Rassismus

26 Feb

Literaturabend in der Bugenhagen-Schule Alsterdorf

Die Tagebücher des Victor Klemperer 

Dr. Renatus Deckert

Die Bugenhagen-Schule-Alsterdorf bot gestern Abend Raum für eine Lesung mit dem Lüneburger Schriftsteller und Herausgeber Dr. Renatus Deckert. Er las ausgewählte Passagen aus den Tagebüchern des Victor Klemperer und fasste dabei sehr treffend eindringliche Stellen des Werkes zusammen. Das Auditorium brachte er damit sichtbar zum Nachdenken. Anschließend gab es einen regen Austausch über das Gehörte.

Victor Klemperer (1881-1960) überlebte als Jude die Zeit des Nationalsozialismus nur, weil er mit einer sogenannten Arierin verheiratet war. Als zwangsemeritierter Professor der Romanistik wollte er ein Geschichtsschreiber der Katastrophe sein und Zeugnis ablegen für die Zeit danach. Und so führte er ein Tagebuch, dessen Entdeckung den sicheren Tod bedeutet hätte. Sein minutiöser Bericht ist ein einmaliges Dokument über den Alltag der Judenverfolgung.

Dr Renatus Deckert und Oberstufenschulleitung Jörg Münch

18 Feb

Schülerstimmen zum Gastspiel „Abgrenzung“ des DSH

copyright Foto: Sinje Hasheider , Deutsches Schauspielhaus

45 SchülerInnen der Jahrgänge 11 und 12 sahen am 27.1. das Gastspiel des Deutschen Schauspielhauses im Theaterraum der Bugenhagenschule.
Wir danken dem Förderverein für die Unterstützung !

Zum Stück:
Die Eltern sind schwach, die Lehrer zum Vergessen, die Politiker Waschlappen, die Zukunft düster. Bei den „Jungen Aufrechten“ treffen die Freunde Finn und Johann auf Verständnis und Entschlossenheit. Mit medienwirksamen und provokanten Aktionen will sich die Gruppe gegen die „Überfremdung“ wehren und das „schwache und fehlgeleitete Heimatland“ retten. Während Finn im nationalistischen Gedankensumpf aufblüht und sich immer weiter radikalisiert, lernt Johann Amal kennen. Erste Zweifel überkommen ihn, doch Freund- und Kameradschaft dulden keine Widerrede. Wer nicht mitmacht, wird zum Feind.
(Pressetext Schauspielhaus)

„Das Theater im Klassenzimmer unterscheidet sich vor allem durch das Fehlen der sogenannten 4. Wand vom klassischen Theater. Wir waren Publikum und gleichzeitig Teil des Stücks. Man war mehr am Thema dran und auch viel näher am Stück, sogar im Stück involviert.“

„Die Schauspieler haben sehr authentisch gewirkt. Ales in allem ein gelungenes Theaterstück.“

Das normales Theaterstück könnte nicht diese Nähe schaffen, die Schauspieler hatten so viel mehr Kontakt zu uns und wir waren aufmerksamer.“

„Man kann durch dieses Stück vielleicht auch Jugendliche erreichen, die schon in einer rechtsextremen Gruppe sind und ihnen vermitteln, dass sie nicht alleine sind und sie nicht auf die rechte Szene angewiesen sind.“

19 Dez

KLARE KANTE II

Thomas Thielen und die Schüler von Klare Kante

Zum zweiten Mal war Thomas Thielen mit KLARE KANTE zu Besuch an der Bugenhagenschule. 

Der Dozent ist promovierter Philologe; er arbeitet als Pädagogischer Leiter in einem Studienseminar und unterrichtet selbst Latein, Englisch, Philosophie und Werte und Normen. Neben dieser Tätigkeit berät er in verschiedenen Foren Politiker und Journalisten großer Tageszeitungen bzgl. der rhetorischen Mittel und grundlegenden Strategien der Populisten, die er in einem Team von Historikern, Soziologen, Philosophen und Linguisten erforscht hat. Er unterstützt, etwa in den sozialen Medien, Gruppen (“ichbinhier”, Journalisten-Foren, Schülerinitiativen), die Counter Speech gegen populistische Parolen betreiben. Wie der Logik-Trainer argumentiert, erschließt sich gut, wenn man sich die  Aufzeichnung einer Radiosendung im Deutschlandfunk zur Kopftuchdebatte anhört.

In der ersten Veranstaltung, die einen Tag vor dieser Radioaufzeichnung stattfand, wurden die Schüler mit den typischen Strategien von Populisten und den häufigen rhetorischen Mitteln und Kniffen ihrer Kampagnen vertraut gemacht und Gegenstrategien für den (meta)didaktischen Gebrauch nutzbar gemacht. Im Seminar wurden praxisnah konkrete Möglichkeiten erarbeitet, Parolen im direkten Dialog argumentativ zu kontern („Counter Speech“), ohne dabei selbst den Boden demokratischer Gesinnung verlassen zu müssen. 

In KLARE KANTE II hat Thielen nun mit der gleichen Schülergruppe Gelerntes vertieft. 

45 hochmotivierte Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 bis 13 haben mit mutigen Fragen, großer Neugier und kompromissloser Radikalität der eigenen Mündigkeit auf der Suche nach Konzeptionen der Würde des Menschen gearbeitet. Noch stärker als im ersten Seminar wurden die Gedanken der alten  Philosophen betrachtet und mit den erarbeiteten Erkenntnissen verglichen (Anaximander, Empedokles, Platon, Aristoteles, Plotin, Proklos, Augustinus, Cusanus, Pico, Spinoza, Hölderlin, Fichte, Novalis, Locke, Hume, Hegel, Marx, Nietzsche, Heidegger, Wittgenstein, Foucault, Albert, Cullman, Fink, Derrida, Levinas). Es war spannend und gleichzeitig beeindruckend, wie sehr dies bei der Beantwortung der Fragen „was ist sagbar“ und “wie kann ich meine Gedankengänge argumentativ begründen”, relevant ist … und hilft.

Nun sind die Schüler an einem Punkt, an dem es darum geht, Gelerntes in der Praxis auszuprobieren. Wie funktioniert die eigene Argumentation, wenn sie einem Wutbürger im Netz begegnen. Eine dritte und letzte Veranstaltung auf die sich Schüler und Dozent gleichermaßen freuen, ist bereits in Planung.

Wir danken Thomas Thielen für den nachhaltigen Support mit dieser Counter Speech-Veranstaltungsreihe an unserer Schule.

Ebenfalls danken möchten wir der Konrad Adenauer Stiftung und dem Förderverein der Bugenhagenschule Alsterdorf für die Finanzierung.

02 Sep

Bertini-Preis für unsere Schüler


Foto: Jörg Münch

Im Ernst-Deutsch-Theater wurde am Sonntag zum 21. Mal der Bertini-Preis für Zivilcourage verliehen. Zusammen mit 3 anderen Projekten teilt sich der  Theaterkurs des Jahrgangs 13 unter der Leitung unserer Theaterpädagogin Corinna Honold den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Preis.

AUS DER REIHE TANZEN – ERINNERUNG AN DIE SWINGJUGEND
Projektbeschreibung

Hamburger Abendblatt am 28.01.19 - pdf zum Lesen 

 Hamburg Journal vom 27.01.2019

Die Rolle der Swings während des Nationalsozialismus ist nur den wenigsten bekannt und dennoch nicht wegzudenken aus der deutschen Geschichte. In dieser friedlichen Gegenbewegung und dem Spaß am anglophilen Stil, haben die Jugendlichen über den eigenen Tellerrand geschaut und sich sehr weltoffen gezeigt.
Gemeinsam hat unsere 18-köpfige Gruppe das Theaterstück „Aus der Reihe tanzen“ entwickelt und appelliert mit diesem Projekt gegen das Vergessen der Swing Jugend in Hamburg. Zur Inspiration und Recherche haben die Schüler der Bugenhagenschule Zeitzeugenberichte gelesen, Dokumentationen und Filme gesehen sowie ein Theaterstück zum Thema besucht.
Sie zeigen, wie brutal die Swings im Laufe des Krieges aufgrund ihres Musikgeschmacks verfolgt und bestraft wurde. Durch das Andenken rufen sie die Zivilcourage und den Mut der Swings in Erinnerung.


Foto: Jörg Münch

12 Jun

Theater im Klassenzimmer – “Das ist Esther”


Foto und Textauszüge: Website Thalia Theater; https://www.thalia-theater.de

Die 17-jährige Mary Ann erzählt unseren Schülern von ihrer Großmutter Esther und von sich und blättert Bruchstücke der Erinnerung auf. Im Gepäck: Fotos und O-Töne, die die Stationen des Lebens der Holocaust-Überlebenden Esther Bauer dokumentieren. Unsere Schüler lauschen gebannt, ergriffen und manchmal erschrocken, wie echt es sich anfühlt, wenn Mary Ann mit dem Lineal auf sie zeigt … “links … rechts …links …”. Eine Richtungswahl, die in Auschwitz über Leben oder Tod entschieden hat.

Mary Ann erzählt von der behüteten Kindheit ihrer Großmutter in Eppendorf, dem Beginn der Nazi-Herrschaft, über die Deportation ins Ghetto Theresienstadt und in das KZ Auschwitz, von der Befreiung in Mauthausen bis zur Emigration nach New York und den Aufbau einer neuen Existenz. Das Stück erzählt vom Glück des Überlebens. Es thematisiert darüber hinaus den Tod der nahezu letzten Zeitzeugen auf einer sehr persönlichen Ebene.

„Mit einem drama­tur­gi­schen Kniff gelingt es, mehrere Frage­stel­lungen einer Insze­nie­rung (Regie: Katja Langen­bach), in deren Mittel­punkt der Bericht einer Holocaust-Überlebenden steht, zu lösen”. 

“Es ist die Enkelin, die den Monolog spricht. Esther Bauer, die Groß­mutter, betritt die Szene nicht. So muss die vorhan­dene Distanz nicht geleugnet werden und die Gefahr, in falsche Iden­ti­fi­zie­rung und Gefüh­lig­keit zu rutschen, ist geringer. Zugleich ist durch die Enkelin die Perspek­tive einer Vertre­terin der heutigen jungen Gene­ra­tion einge­woben, die aber durch „Granny“ in Verbin­dung mit dem histo­ri­schen Geschehen steht. Sie wird die glaub­wür­dige Mitt­lerin in einer Zeit, in der es immer weniger Zeit­zeugen gibt.“ Angela Dietz, Theatermagazin Godot

Die Geschichte von Esther Bauer …
http://www.werkstatt-der-erinnerung.de/migration/bauer.html